Die Geschichte des Ziegels, der eine der ältesten Baustoffe der Welt ist, fängt im Morgengrauen derjenigen der Zivilisation an. Der rohe Ziegel (rudimentärer, von Stroh vermischter Ziegel, der in der Sonne getrocknet wird) wurde zwischen 10 000 und 8 000 v. Chr. Erfunden. Der geformte Ziegel wurde zwischen 5 000 und 4 500 v. Chr. Entwickelt, aber die entscheidende Erfindung wurde die des gekochten Ziegels (um 3 500 v. Chr.). Eben letzterer ermöglichte den Bau dauerhaften Strukturen in Gegenden, wo es nicht möglich war. Das Kochen des Ziegels verleiht ihm nämlich die Widerstandsfähigkeit des Steines, mit den zusätzlichen Vorteilen jedoch, dass sie leichter einzurichten ist. Die Ankunft des Ziegels hat das Tempo nämlich beschleunigt. Ihres Alters und der Dauer ihres Baus wegen hat die Grosse Mauer alle Typen Ziegel außer der Hohlziegel gekannt, die im XIX. Jahrhundert erfunden wurden.
Der Bau mit luftgetrockneten Ziegeln (« Adoben »), die also « Lehmziegel » genannt werden, ist eine der ältesten und sparsamsten Baumethoden. Der Lehmziegel ist eine Mischung aus Ton (30 % des Gewichts, während die Terrakotta ungefähr 75 % Ton enthält), Wasser und pflänzlichen Überresten wie Stroh, Holzpäne, Sägemehl, Hanf oder noch Tierhaare. Holzformen werden mit diesem Teig erfüllt, der nach einigen Tagen ausgenommen, dann in der Sonne während ungefähr 15 Tagen getrocknet wird. In Bezug auf Technologie ist sie ziemlich anspruchlos und die Rohstoffe sind im allgemeinen vor Ort verfügbar. Das Hauptproblem des Lehmziegels ist, dass er sich sehr schnell verschlechtert. Selbst der auf dieser Art Gebäude aufgetragene Spachtel aus Lehmton schützt es nicht lange vor einem Dauerregen. Die Teile der Mauer aus Lehmziegel und aus Erde sind abgetragen und herabgewürdigt worden.
Das Kochen der Ziegel löst dieses Anfangsproblem, aber die Methode ist nicht einfach. Einen Ziegel in ein gewöhnliches Feuer zu stellen wird zu nichts führen. Damit der Stoff eine nichtkristalline Struktur annimmt, muss man ihn auf einer zwischen 900 und 1 500° liegenden Temperatur, dem Tontyp nach während acht bis fünfzehn Stunden, erhitzen. Die Ziegel werden langsam abgekühlt, um die Spalten zu vermeiden. Unzureichend gekochte Ziegel werden zu zärtlich sein und läufen Gefahr zu zerbröckeln ; hingegen wird der Ton sich verformen und zu einer Art glasiger Stoff hinführen, falls die Temperatur zu hoch ist. Während des Trocknenpozesses zieht sich der Ziegel ein. Das Material muss auch Sand oder andere Materialien enthalten. Der Prozentsatz reines Tones wird dessen mechanischen Eigenschaften bestimmen. Die Wände der Chinesischen Mauer sind Halbziegelwände, die einen Läuferverband (längste Seite des Ziegels sichtbar, im Gegensatz zum Binderverband) bilden. Außerdem sind die Läuferschichten in einem Teil Binderschichten in dem anderen. Die thermische Ausdehnung ist von 0,005 mm/m.°C, das heisst die Hälfte derjenigen des Betons. Deswegen wird der Ziegel eines Betonwandes, wenn die Temperatur um 50°C zunimmt, sich von 50x0,005= 0,25 mm ausdehnen. Das Aufblasen durch die Feuchtigkeit (durch Wasseransammlung erzeugte Verformung) ist unter 0,1 mm/m. Die Schrumpfung während der Verhärtung ist null. Die aus Ziegeln gebauten Ming-Abschnitte sind also sehr stabil. Der Boden der Befestigungsanlagen war von drei bis vier Backsteinschichten gepflastert, die höhere Schicht, aus quadratischen Ziegeln, und die zwei oder drei anderen, aus langen Ziegeln.
Eine jüngste archäologische Erfindung in Qinhuangdao hat 51 Öfen zutage gefördert, die zur Anfertigung der grauen Ziegel von der Grossen Mauer gedient haben. Die 3,5 Meter Durchmesser Öfen sind von drei verschiedenen Arten. Die erste Art nimmt die Form eine Drachen an, mit einer Röhrerkanalisation, die vier, sechs oder manchmal sogar acht ausgerichteten Ofenkammern verbindet. Die Zweite nimmt die Form von einem « U » an, und die Dritte, von einem « Horn ». Die Ofenwände wurden mit denselben grauen Ziegeln gebaut, von denen jene einzelne 10,5 Kg wiegt. Die Öfen waren oberhalb von der Mauer selbst gebaut worden.